"Eiserner Garten"

Ein schöner französischer Garten, der „Eiserne Garten“ (1713/14), liegt gleich hinter dem äußeren Tor, gegenüber dem Brauhaus aus dem Jahre 1714. Seine Grundeinteilung mit dem Brunnen in der Wegkreuzung ist seit dem 18. Jahrhundert bis heute unverändert geblieben. Acht steinerne Pfeiler mit Blumenkörben und Vasen bilden die Einfassung des Gartens. Der Zwischenraum wurde später durch Mauern geschlossen, sodass man in den Garten nur durch das große eiserne Tor blicken kann, durch das der Garten seinen Namen hat.

In der Mitte des Gartens steht ein Steinbrunnen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das vierpassförmige Becken ist verziert mit Meerwesen.

Das Tor das Zugang zum Garten gewährt wurde kürzlich mit hohem Aufwand restauriert. Schmiedemeister Matthias Mohnen aus Malbergweich hat hierzu folgenden Bericht verfasst:

Die Tore des Eisernen Gartens

von Matthias Mohnen

Der Förderverein Schloss Malberg trat an uns (Kunstschmiede Mohnen aus Malbergweich) heran, die dringend nötigen Renovierungsarbeiten an den Toranlagen und dem Oberlichtgitter des „Eisernen Gartens" auszuführen.

Mehrmalige Besichtigungs- und Besprechungstermine an Ort und Stelle mit der Verbandsgemeindeverwaltung Kyllburg, Herrn Bürgermeister Spindler, den Mitarbeitern Herrn Hilden und Herrn Weis, sowie den Denkmalpflegern des Landes Rheinland-Pfalz, Herrn Wegner, und des Kreises Bitburg-Prüm, Herrn Berens, wurden im Januar und Februar 2003 durchgeführt. Eine ungefähre Kostenkalkulation konnte anhand der Besprechungen und Wünsche der Denkmalpflege vorgenommen werden. Diese lag der Verbandsgemeinde Kyllburg am 17.02.2003 vor. Nachdem die Auftragsvergabe seitens der Verbandsgemeinde Kyllburg am 11. März 2003 an die Kunstschmiede Mohnen ergangen war, konnten die Arbeiten beginnen.

Der Ausbau der Tore erfolgte am 27.03.2003. Das kleine, zweiflügelige Törchen am hinteren Teil des „Eisernen Gartens" mit seinen neubarocken Formen stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Hier erwies sich die eiserne Bausubstanz nach Entfernen von Moos, Oberflächenrost und Abbrennen mit dem Gasbrenner noch als recht gut erhalten. Vor allem im oberen Bereich des Törchens fehlten einige Blüten- und Schnörkelblätter in Arabeskenform. Diese wurden als neue Ergänzungen gemäß den vorhandenen Teilen nach alter handwerklicher Technik geschmiedet und angebracht. Nach dem Zerlegen des Törchens in seine Einzelteile stellte sich heraus, dass schon bei der Herstellung des Törchens die vorhandenen schmiedeeisernen Blätter als exakt gleichartige Einzelstücke gefertigt worden waren. Dies war am Ende des 19. Jahrhunderts üblich, um Kosten zu sparen. Es hatten sich verschiedene Herstellungsbetriebe auf die Produktion von Schnörkelblättern, Zierleisten u.ä. spezialisiert, und diese boten ihre Produktpalette dem damaligen Schlosser oder Schmied im Katalog zur Bestellung an. Das Schloss mit Schlosskasten wurde erneuert und die Rahmenkonstruktion gerichtet. Nach dem Sandstrahlen der Teile und dem Zusammenbau des Törchens kam dieses zur Feuerverzinkung, um einen dauerhaften Rostschutz zu gewährleisten. Anschließend wurde die Arbeit vorbehandelt, grundiert und mit Anthrazit-Kunstschmiedelack lackiert. Auch der Farbüberzug hat eine korrosionsschützende Wirkung und hält der Witterung und Umwelteinflüssen jahrelang stand.

Das große, zweiflügelige Tor mit Oberlichtgitter ist dem Bandelwerk-Stil des Barock zuzuordnen. Wahrscheinlich erfolgte die Herstellung des Tores zur Zeit der Anlegung des „Eisernen Gartens" zu Anfang des 18. Jahrhunderts beim Bau des Neuen Hauses. Der Barockstil, in Italien schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts vertreten, kam von dort aus zunächst nach Frankreich und erst etwas später, nach dem Dreißigjährigen Krieg, nach Deutschland (etwa gegen Ende des 17. Jahrhunderts). Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte die weltliche Daseinsfreude einen besonderen Stellenwert erlangt. Die französischen Könige des Absolutismus wurden mit dem Bau ihrer glänzenden Paläste zum Vorbild der Deutschen Fürstenhöfe, und auch der Bau von prunkvollen Kirchen gehört in diese Zeit. Hieran wird deutlich, dass auch die deutschen Territorialherren in Ihren Gebieten als absolutistische Fürsten herrschen wollten. Die Herren von Malberg bildeten hier keine Ausnahme.

Der Baubeginn des Neuen Hauses von Schloss Malberg fällt in das Jahr 1710. Den Grundstein legte der damalige Schlossherr Johann Werner von Veyder, Herr zu Malberg, Mehrfeld, Bettenfeld und Hovelsheim, Weihbischof von Köln. Die weltlichen und kirchlichen Bauherren in Deutschland waren aus Mangel an Facharbeitern gezwungen, fremde Architekten und auch Handwerker ins Land zu rufen, vor allem Italiener, aber auch Niederländer und Franzosen. Baumeister des Neuen Hauses von Schloss Malberg war Graf Matteo Alberti. Das Bauwerk des Neuen Hauses ist typisch für den Barockstil, wobei der Baumeister sich bei der Fassade ein wenig mehr dem Geist der römischen Renaissance zuwendet. Typisch jedoch sind auch hier die Aufteilung der Front mit Pilastern zwischen den Fenstern, Dreiecksgiebeln, einem angedeuteten Mittelrisalit und den beiden Seitenrisaliten (vorspringende Gebäudeteile aus der Flucht der Fassade). Das Portal hat Frucht- und Blumenwerk an Bändern auf Sturz und Pilastern. Und der typisch barock geöffnete Dreiecksgiebel des Portals zeigt, im Selbstverständnis des Hausherren als absoluter Landesherr, das Wappen von Veyder mit einer darüber liegenden großen Krone. Im Zuge der Bauarbeiten des Neuen Hauses wurde auch der „Eiserne Garten" gestaltet. Demgemäß finden sich auch im Tor von Schloss Malberg die typischen Formen des Barock wieder.

Der Barock führt die Kunstformen der Renaissance weiter. Die Funktion der Bauelemente bleibt erhalten, jedoch werden diese kunstvoll verziert und mit Blüten und Blättern, Zierleisten und Schnörkeln versehen. Wenn in der Renaissance noch Statik die Komposition des Bauwerks bestimmt, so versetzt der Barockstil das Kunstwerk in eine dynamische Bewegung. Dies ist im unteren Teil der Torflügel besonders deutlich zu erkennen. Das Auge hat Mühe, dem Verlauf der Formen zu folgen, ebenso im Oberlicht, hier überschlagen sich die Blätter und Schnörkel förmlich, um in schwungvollen Kurven mit einem stürmischen Drang den Platz nach oben auszufüllen. Aber die Bewegung folgt auch einer dem Kunstwerk zugehörigen Gesetzmäßigkeit (in der Mitte des Tores und am Rahmen zu betrachten). Flächen und Bunde werden hier zu plastischen Gebilden mit Zierleisten und bandartig angeordneten Fratzen. Die Stäbe werden im Barock oft im Winkel abgebogen, Akanthusblätter und Akanthushüllkelche sind eingebaut. Voluten werden fast elliptisch. Das Rundeisen der Renaissance weicht dem wirksameren Vierkanteisen. Während in der Renaissance oft nur eine Sorte Stabeisen verwendet wurde, zeigt das Barocktor eine Vielzahl verschiedener Eisenmaterialien. Auffallend für den Barockstil ist bei schmiedeeisernen Arbeiten die Nachahmung von Architekturteilen wie Gesimsstäbe für Querverbindungen oder bandwerkartige Zierleisten zum Abdecken von Rahmeneisen. Auch die Säulen aus Sandstein, wobei zwei als Torpfosten dienen, tragen als Kapitelle voll beladene Fruchtkörbe, die zur Zeit des Barock eine beliebte Ornamentform darstellten.

Die Restaurierung des großen Tores und des Oberlichtgitters gestaltete sich schwieriger als zunächst vermutet. Nach dem Entfernen von Oberflächenmoos und dem Abbrennen der Tore mit dem Gasbrenner stellte sich heraus, dass der Zustand des Materials in einigen Bereichen viel schlechter war als ursprünglich angenommen. Das Tor war z.T. mit einer bitumenartigen Schicht aus Anstrich versehen worden, die unter dem oberflächigen Moos Material vorgab, welches nicht mehr vorhanden war. Interkristalline Korrosion und Lochfraß von Rost waren unter dieser Schicht tief ins Grundmaterial eingedrungen und hatten nicht nur Blätter und Zierleisten, sondern auch tragende Teile des Rahmens und volle Stäbe so weit in Mitleidenschaft gezogen, dass sie nicht mehr oder nur zum Teil noch zu retten waren. Es musste deshalb entgegen der ursprünglichen Planung eine Vielzahl zusätzlich anzufertigender Teile hergestellt werden. Eine Dokumentation erfolgte hier in Form von Fotos und Zeichnungserstellung, um den Zustand der Tore vor der Restaurierung festzuhalten. Erst jetzt wurden auch grob ausgeführte Reparaturarbeiten sichtbar, wie z.B. fast 12 cm lange Schweißnähte im Gasschmelzschweißverfahren und Lötverbindungen mit Messinglot. Wahrscheinlich wurden diese Reparaturen in den Jahren nach 1945 vom örtlichen Schmied oder Schlosser notdürftig ausgeführt. Hieraus ergab sich im Falle der Lötverbindungen ebenfalls eine schwere elektrochemische Korrosion des unedleren Eisens gegenüber dem edleren Messing. Diese Schweiß- und Lötnähte waren laut Denkmalpflege zu entfernen. Die Tore und das Oberlicht wurden in ihre Einzelteile zerlegt, da man sonst den zwischen den Materialien eingedrungenen Rost nicht hätte entfernen können. Die Restaurierung wurde sodann nach alten Handwerkstechniken vorgenommen. Es handelt sich hierbei um folgende Arbeitstechniken:

  • Querschnittveränderungen durch manuelles Schmieden wie Spitzen, Breiten, Strecken, Absetzen, Spalten usw.
  • Feuerlochungen zum hindurchstecken von zwei sich kreuzenden Stäben
  • Feuerschweißen als Methode zur stoffschlüssigen Verbindung zweier Einzelteile
  • Überlappen
  • Warmnieten zur kraftschlüssigen Verbindung von Teilen
  • Warmbiegen zur Verformung
  • Richten
  • Gesenkschmieden zur Herstellung der Zierleisten
  • Ausmeißeln, Feilen, Glätten und Hämmern
  • Eisenschnitt für die Blattornamente und Ranken
  • Warmtreiben und Freiformen zur plastischen Gestaltung der Blätter, Fratzen, Delphinköpfe usw.

Die genannten Arbeiten wurden in unserem Betrieb von Hand und mit althergebrachten Hilfsmitteln, wie Feuer, Wasser, Luft, dem Amboss, verschiedenen Hämmern und Zangen, Schraubstock, verschiedenen Gesenkuntersätzen usw. ausgeführt. Es handelt sich hierbei um Handwerkstechniken, die schon seit alters her von den Schmieden angewandt wurden. Der Schmied ist einer der ältesten Handwerksberufe überhaupt. Die oben aufgeführten Techniken fanden schon in alten Hochkulturen wie Ägypten oder Mesopotamien Anwendung, wobei dort der Rohstoff Eisen im Gegensatz zu Kupfer äußerst rar und kostbar war. Natürlich bedienten sich die Schmiede zur Zeit des Barock der zeitgemäßen Technik, wie z.B. der über ein Wasserrad angetriebenen Fallhämmer oder grob vorgeschmiedeten Stangenmaterials als Rund- und Vierkanteisen.

Die neu zu fertigenden Teile wurden mit handwerklicher Technik eingebaut, wobei im Falle der Niettechnik keine alten Niete mehr verwendet werden konnten, da diese beim Zerlegen des Tores zerbrachen wie Glas (Korrosion durch das gesamte Metallgefüge). Die Einzelteile wurden vorsichtig gesandstrahlt. Tor und Oberlicht wurden zusammengebaut und feuerverzinkt. Die feuerverzinkte Arbeit wurde vorbehandelt, grundiert und mit Anthrazit-Kunstschmiedelack lackiert. Auch die fertigen Teile wurden dokumentiert.

Die Restaurierung des großen und des kleinen Tores sowie des Oberlichtgitters erfolgten zeitgleich. Das kleine Törchen wurde am 09. September 2004 wiedereingesetzt. Einbautermin des großen Tores war der 17. Mai 2005, und das Oberlichtgitter wurde am 17. August wieder an seinem ursprünglichen Platz im Sandsteinpfosten des „Eisernen Gartens" verankert. Alle Löcher zum Einsetzen der Tore und des Oberlichtes wurden mit Sandsteinmörtel aufgefüllt und fallen deshalb an den Torpfosten nicht auf.

An reinen handwerklichen Arbeitsstunden wurden für das gesamte aufgewendet:

- 540 Gesellen- und Meisterstunden,
- 75 Lehrlings- und Helferstunden.

Hierbei sind nicht eingerechnet der Aufwand für Dokumentation, Zeichnung und Vorplanung der Arbeiten.

Es handelte sich bei dem Projekt „Restaurierung der Tore von Schloss Malberg" um eine handwerklich sehr hochwertige und schöne Schmiede- und Restaurationsarbeit. Die Kunstschmiede Mohnen: Vater, Sohn und Lehrling waren stolz und erfreut, die Arbeiten ausführen zu dürfen, da es sich insbesondere durch das hohe Alter der Tore und die geographische Nähe von Malbergweicher Schmiede und Malberger Schloss um ein ganz besonderes Referenzobjekt handelt.