Die mittelalterliche Burg (Ausschnitt aus einem Gemälde)
Die mittelalterliche Burg
(Ausschnitt aus einem Gemälde)

Schloss Malberg um 1711 auf einem Gemälde (Ausschnitt)
Schloss Malberg um 1711
auf einem Gemälde (Ausschnitt)

Blick auf Schloss Malberg (1898)
Blick auf Schloss Malberg (1898)

Alte Haus vor der Renovierung im Jahre 1995 (Foto: Hans Klotz, Kyllburg)
Alte Haus vor der Renovierung
(Foto: Hans Klotz, Kyllburg 1995)

Mahal-Berg und seine Edelherren

Wenn der eigentliche Ursprung der Ortschaft sich im Dunkel der Geschichte verliert, so herrscht kaum ein Zweifel über die etymologische Bedeutung des Namens. Das althochdeutsche „mahal“ bezeichnet einen Versammlungsort, eine germanische Richtstätte, die in der Regel auf einem Hügel lag. Der gegen das Kylltal vorgeschobene Bergrücken eignete sich dazu bestens.

Das erste urkundliche Zeugnis stammt aus dem Jahre 1008: ein „vir nobilis Ravengar“ erscheint damals als Herr von zwei dicht nebeneinander liegenden Burgen auf der Anhöhe von Malberg. Das Geschlecht dieser Edelherren, das in Eifel und Hunsrück reich begütert war, spielte eine wichtige politische Rolle, die es in Konflikt mit dem Kaiser brachte. Der Hohenstaufe Friedrich II. gab sogar den Befehl, die Burgen in Malberg abzubrechen. Der bekannteste Herr von Malberg war der Ritter Kuno, der wegen seiner Tapferkeit im Waffendienst große Berühmtheit erlangte. Als er über 40 Jahre alt war, nahm er an einem Kreuzzug teil, der zum religiösen Erlebnis für ihn wurde. Er trat in die Abtei Himmerod als Mönch ein und verbrachte den Rest seines Lebens in strenger geistiger Zucht. Er starb um 1200 bei einem Gottesgericht, als sein Abt ihn beauftragte, einen gestohlenen Hengst von einem Dieb zurückzuverlangen. Sein ritterlicher Lebenswandel sowie sein erbauliches Lebensende lebten lange im Volksmund weiter und wurden von Sagen umrankt. Wer die altluxemburgischen Urkunden durchblättert, stößt ziemlich häufig auf den Namen der Edelherren von Malberg, die Auguste Neÿen als „eines der ältesten Adelsgeschlechter Luxemburgs“ bezeichnet und die seit dem frühen 12. Jahrhundert immer wieder als Zeugen neben den Grafen von Luxemburg auftraten. In einer Urkunde vom 2. Oktober 1260 bestätigt Rudolf, Herr von Malberg, eine Schenkung an das Kloster Himmerod, die seine Vorfahren mit Zustimmung des Grafen Konrad (1229-1236) – de assensu comitis Conradi de Lutzillenburg – getätigt hatten, was auf ein Abhängigkeitsverhältnis hindeutet. In einer anderen Bestätigungsurkunde von 1274 erscheint Graf Heinrich der Blonde als Siegler. Gleichzeitig traten die Trierer Erzbischöfe in Malberg auf den Plan und machten die Burg zu ihrem „Offenhaus“, 1280 erwarben sie die Unterburg von den Herren von Vinstingen (Fenetrange). Zwei Jahre später war ein Edelherr von Malberg Seneschall von Luxemburg, was wahrscheinlich schon ein Lehensverhältnis voraussetzt.

Das luxemburgische Lehen

Im Jahre 1302 wurde Malberg endgültig luxemburgisches Lehen. Es war die sehr umsichtige Politik des Grafen Heinrichs VII., die den Herrn von Malberg dazu bewog, wie zahlreiche andere Herren in der Eifel und den Ardennen, sich unter den Schutz des mächtig aufstrebenden Hauses Luxemburg zu begeben.

1588 erwarb Joachim von Manderscheid-Schleiden die Herrschaft Malberg. 1615 verpfändete Florimond d'Ardre die Burg an Cornelius von Veyder.

Aufstieg und Glanz der Familie Veyder-Malberg

Cornelius von Veyder legte 1615 den Grundstein für den Aufstieg seiner Familie, indem er sich für ein Darlehen von 3583 Talern von Florimond d'Ardre, Freiherrn von Malberg, einen Teil der Herrschaft als Pfand verschreiben ließ. Seine Enkel wiederum, Johann Christoph und Johann Werner von Veyder, führten diese Pfandpolitik konsequent zu Ende und wurden im Jahre 1681 durch Vertrag endgültige Besitzer von Malberg. Vier Jahre später ließen sie sich vom Lehensgericht der Grafschaft Vianden bestätigen, dass ihre Familie „von dem altadligen Geschlecht der Herren Veyder zu Dasburg“ abstamme.

Johann Werner (1657-1723) war der weitaus bedeutendste Spross der Familie. Nach dem Studium der Rechte und der Theologie wurde er 1703 Weihbischof von Köln. Durch einträgliche Pfründe von mehreren kirchlichen Ämtern konnte er seinen Besitz beträchtlich erweitern. In jungen Jahren war er auch „Seigneur de Rodange“ gewesen.

Im Jahre 1708 beauftragte der sehr vornehme und kultivierte Weihbischof den venezianischen Architekten Matteo Alberti, das barocke Schloss von Malberg zu erbauen und die ganze Anlage zu einem repräsentativen Herrensitz umzugestalten. Bei seinem Tod im Jahre 1723 hinterließ der Weihbischof die Schlösser samt bedeutendem Vermögen seiner Familie. Gemäß seinem Rang wurde er in einem prachtvollen Marmorgrab im Kölner Dom begraben.

Im selben Jahr 1723 kam es zur Verbindung des Veyder-Geschlechts mit der angesehenen und begüterten Familie de Neufforge, deren Stammbaum lückenlos bis zu Karl dem Großen zurückverfolgt werden kann. Franz-Moritz, der Erbe des Weihbischofs, heiratete Marie-Therese Josephe Neufforge. 1732 erhob Kaiser Karl VI. Franz-Moritz von Veyder in den Reichsfreiherrenstand.

1749 erbaute Franz-Moritz ein neues Eisenwerk an der Kyll unterhalb von Schloss Malberg und gab seiner feudalen Herrschaft eine fortschrittsorientierte wirtschaftliche Grundlage. Viele Hüttenarbeiter siedelten sich in Malberg an. Die Familie genoss hohes Ansehen und beachtlichen Wohlstand.

Aber gerade der Reichtum schuf ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

Der „Abstieg in die Bedeutungslosigkeit“

Als die Französische Revolution ausbrach, floh der Baron Peter-Ernst mit seiner Familie vor den französischen Truppen, was sich später als überflüssig erweisen sollte, denn in Malberg wurde weder geplündert noch gebrandschatzt oder gemordet. Der älteste Sohn Karl blieb zurück, um die Freiherrschaft zu verwalten, aber anstatt den zahlreichen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, die infolge der Erbteilung auf der Baronie lagen, führte der letzte Malberger Baron einen sehr aufwendigen Lebenswandel, seine Frau war nicht weniger verschwenderisch. Eine letzte „großzügige“ Unbesonnenheit löste die Katastrophe aus. 1803 ersteigerte der Baron das säkularisierte Kloster Sankt Thomas und schenkte es einer befreundeten Familie. Die erbosten Gläubiger ließen daraufhin die Güter der Baronie nach und nach versteigern. Mittlerweile hatte die Einführung des Code civil das „ancien régime'' aufgelöst, wodurch „die Barone von Veyder-Malberg alle ihre herrschaftlichen Rechte und den größten Teil ihrer Renten verloren“ (Schannat/Bärsch). Von den ansehnlichen Besitzungen waren nur noch das Schloss und einige Äcker übrig. Der Baron überlebte nur dank der Hilfe mitleidiger Verwandter.

Eine Wende trat erst ein, als die Tochter Ernestine den preußischen Oberforstmeister Schmitz heiratete, der die Staatsforste in der Umgebung von Malberg betreute. Diese „Mesalliance“ brachte eine finanzielle Gesundung, aber sie ließ auch das Schloss in bürgerlichen Besitz übergehen. Somit verschwanden die Besitzer von Malberg aus dem „Gotha“. Da die potentiellen adligen Erben ihre Ansprüche nicht rechtzeitig geltend machten, gingen sie vollständig leer aus. Der Titel Baron war schließlich das einzige Erbe, das einem Neffen des Barons Karl zufiel.

19. und 20. Jahrhundert

Über das weitere Schicksal der Malberger Schlösser wissen die Chroniken wenig zu berichten. Dank einer vorteilhaften Heirat konnten die längst reparaturbedürftigen Gebäude im 19. Jahrhundert wieder instand gesetzt werden. Die beiden Weltkriege zogen Malberg kaum in Mitleidenschaft. Die Besitzer öffneten eine Zeitlang ihr Schloss für Gäste, die in der Abgeschiedenheit des Kylltals Ruhe und Erholung suchten. Aber in den letzten Jahren traten wieder solche Schäden an der Bausubstanz auf, dass eine Renovierung sich aufdrängte. Der letzte Schlossbesitzer sah sich nicht mehr in der Lage, die kostspielige Restaurierung durchzuführen. 1989 wurde die Schlossanlage an die Verbandsgemeinde Kyllburg Kyllburg verkauft.

Seit dieser Zeit wurde einiges investiert, um das wertvolle Denkmal in seinem Bestand zu sichern und für den Besucher wieder zugänglich zu machen.

Die notwendige Renovierung der Schlossanlage verschlingt Unsummen, sodass die Besitzerin, die VG Kyllburg, nach wie vor nach einem finanzkräftigen Käufer sucht, der auch eine touristische Nutzung des Kleinodes nicht ausschließt.